Ob bei Hochzeiten, Festen oder Feiern: Allerorten trachtet es. Was ist da passiert?

Ja, ich trachte!

© Gaisrieglhof Familie Graf Kottulinsky

Ich bin ein Dirndl aus dem Raabtal, ich ein Bursche vom Almenland, ich gehöre nach Blumau, ich bin „Vulkanland“, fruchtbar, echt und eruptiv: Allerorten trifft man Tracht, der ihre regionale Färbung äußerst wichtig ist. Das war nicht immer so. So sehr man in den 90-er-Jahren viele Junge mit Tracht durchaus verjagen konnte, so sehr erfährt sie im neuen Jahrtausend Zuspruch – gerade von den Jungen. Auf der Suche nach Identität und um Zugehörigkeit zu signalisieren, haben die Menschen die Tracht wiederentdeckt. Kittl, Leib und Schürze, aber gerade auch die Details wie Streifen, Falten, Borten, Auszier, Nähte und Stickereien interessieren wieder. Ein Stück Kulturgeschichte, das seit jeher viele Nuancen hatte, ist mit einer unerwarteten (regionalen) Vielfalt neu aufgeblüht. Es ist der Wunsch – und die Mode –, seine – ganz spezifische – Zugehörigkeit auszudrücken, die den Trend zur Tracht, ja sogar zum Dirndl-Selbernähen erklären. Die Distanzierung (der Städter) gegenüber dem Land und der Ländlichkeit hat abgenommen, das Landleben ist in Mode gekommen. Der Landlust-Kirtag etwa, der im Zweijahres-Rhythmus am Gaisrieglhof im Thermenland Steiermark über die Bühne geht, ist nicht nur ein schönes Fest, auf dem sich die ganze Vielfalt der regionalen Trachten zeigt, er ist auch ein Beispiel für das Lebensgefühl, das sich wohl nur in Tracht erzeugen und erleben lässt. Stolz trägt man seine Herkunft zur Schau. Ist das konservativ? Es ist wohl eher so, dass sich Tradition und Moderne hier treffen. Ist es kitschig? „Ein Schuss Kitsch tut der Tracht und auch den Menschen gut“, meint Dr. Gesine Tostmann, eine Expertin in Sachen Tracht aus Wien. Die neue Vielfalt an steirischen Trachten steht übrigens in keinem Gegensatz zur Tradition. Denn anders als in anderen Bundesländern hat es in der Steiermark nie die eine Tracht gegeben. Und auch wurden nicht historische Vorbilder auf Punkt und Faden erhalten, sondern Trachten im Laufe der Zeit stets weiterentwickelt. Das Steirische Heimatwerk kennt heute an die 280 namentlich und regional zugeordnete und also anerkannte Frauentrachten, 70 für Herren kommen dazu. Getragen werden aber an die 300 … Aber irgendwo muss das Traditionelle der Zukunft ja auch beginnen!

 

Wusstet ihr, dass…
* … sich das Wort Tracht von „tragen“ ableitet?
* … Erzherzog Johann den einfachen grauen Rock („Steireranzug“) popularisierte? „Ich ziehe ihn nie mehr aus, ebensowenig weiche ich von meiner Einfachheit.“
* … die Steiermark rund 280 unterschiedliche Frauentrachten kennt?

 

Mein persönlicher Tipp: Landlust – Urlaub für die Sinne

 


© Text: Echt*Zeit Magazin des Thermenland Steiermark