Wenn wieder kleine Igel von den Bäumen fallen und im Glas der Sturm weht, bin ich bereit für echten Genuss.

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© Steiermark Tourismus, ikarus.cc

Schon von Weitem kann ich das Feuer lodern sehen. Immer geradeaus, querfeldein, führt es mich wie der Stern von Bethlehem. Die Sonne blitzt noch einmal auf, bevor sie sich hinter dem Hügel versteckt. Bald schon teile ich den Weg mit Gleichgesinnten. Gemeinsam nehmen wir die letzten Meter durch den Weingarten zum Buschenschank. Geschafft!

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© Steiermark Tourismus, Harry Schiffer

Die ersten Gläser klingen. Mahlzeit! Ein Hoch dem Sturm, dem roten und dem weißen! Zuckersüß rinnt er gefährlich schnell die Kehlen hinunter. Gerade ein paar Tage alt, hat er seine Unschuld bereits verloren. Drüben neben der Eiche bringt er ein g’standenes Mannsbild ins Wanken. Ich halte mich ganz gut. Der Hausherr lächelt milde, als ich zum vierten Mal um Nachschlag bitte.

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© TV Bad Gleichenberg

Jetzt brauche ich eine Unterlage! Bei den Kastanien dürfen wir uns heute selbst bedienen. Das lass’ ich mir nicht zweimal sagen und fülle mein Stanitzel bis zum Anschlag voll. Die junge Frau am Feuer lässt in weiser Voraussicht bereits die nächste Pfanne schwingen.

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© Steiermark Tourismus, Harry Schiffer

Der erste Biss trifft mich genau am Nerv, am Geschmacksnerv. Nur meinem Sitznachbarn zuliebe zügle ich nach dem wohl zehnten „mmh“ meine Zunge. Brot der Armen, dass ich nicht lache, Haute Cuisine, trotz Ruß auf den Fingern und rund um den Mund! Aus den Gesichtern am Feuer lacht mir Bestätigung entgegen.

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© Steiermark Tourismus, www.bigshot.at

Der Hausherr packt seine Harmonika aus. Die ersten Wadl‘n zittern schon. Ich sitze noch und warte auf die Brettljause, die gerade eine Runde ums Feuer dreht. Ein Stückchen frisches, noch warmes Brot, das ich die Hausherrin vorhin durch das Fenster aus dem Ofen holen sah.

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© Thermenland Steiermark, Harald Eisenberger

Vom Verhackert kosten, ein Bissen Liptauer geht auch noch, der intensive Duft des Geselchten steigt in meine Nase, Schafkäse mit kleinen Kürbiskernstückchen, dazwischen ein leuchtend roter Paprika. Vielleicht doch noch ein paar Kastanien als Betthupferl? Widerstehen ist zwecklos!

Der Genuss holt dich hier, im Thermenland Steiermark, stürmend und im Stanitzel ein!

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© Thermenland Steiermark, Harald Eisenberger

Bratmethoden

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© Steiermark Tourismus, www.bigshot.at

Backrohr. Kastanien über Kreuz einschneiden. Auf dem Backblech ausbreiten und bei 200° C ca. 30 Minuten braten. Zwischendurch wenden. Tipp: eine Schale Wasser hilft gegen das austrocknen.

Feuer. Kastanien einschneiden und in eine Pfanne geben, über dem offenen Feuer immer wieder behutsam schütteln. In einen Topf geben, mit einem feuchten Tuch bedecken und ca. 5 Minuten rasten lassen.

Topf. Kastanien einschneiden, in einen Topf geben und mit Wasser bedecken. Circa 20 Minuten köcheln lassen. Tipp: Kastanien im heißen Wasser lassen. So geht die Schale leichter ab.

Gasbräter. Profis empfehlen wir die Verwendung eines echten gasbetriebenen Kastanienbräters, wie er in der kalten Jahreszeit an vielen Straßenecken der Steiermark zu finden ist. Auch hier müssen die Kastanien eingeschnitten werden. Der Vorteil: keine rußigen Finger!

 

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© Rogner Bad Blumau

Schon gewusst, dass …

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© Steiermark Tourismus, Helmut Schweighofer

… Kastanien antiseptisch und antianämisch wirken, Magenbeschwerden lindern sowie Knochen, Zähne und Nerven stärken?
… gutes Kauen vor Blähungen schützt, was für alle stärkehältigen Lebensmittel gilt?
… die Namensbezeichnung sich regional unterscheidet. In der Pfalz zum Beispiel als Keschde und in Südtirol als Keschtn. Zum anderen sind sie als Maronen oder Maroni bekannt. In der Schweiz ist die Bezeichnung Marroni gängig; in Frankreich, vor allem im Périgord Noir, heißen sie châtaignes.

 

 

Dieser Beitrag erschien ursprünglich am 15. September 2015 und wurde am 22. September 2016 überarbeitet. © Text: Echt*Zeit Magazin des Thermenland Steiermark