300 Völker nennt Imker Manfred Frühwirth sein eigen, 25 davon logieren gleich neben seinem eigenen Haus. Und dieses steht mitten in seinem Bienengarten.

Manfred Frühwirth raucht täglich. „Dabei bin ich überzeugter Nichtraucher“, sagt der Edelsbacher und lacht. Unlogisch? Bei Gott nicht, denn genau genommen qualmt er ja nicht selbst, sondern überlässt es seinem „Racha“ – neudeutsch auch „Smoker“ genannt –, die Bienen mit dem Duft aus glosenden Holzspänen zu betören, um freie Sicht in deren Häuser zu bekommen. Wie Schleier und Schleuder geht ohne den rauchenden Handschornstein im Alltag eines Imkers gar nichts. So professionell die Imkerei heute auch betrieben wird, so traditionell ist das Equipment dafür geblieben.

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© Bienengarten Frühwirth

Seit beinahe zehn Jahren kann sich jeder selbst davon bei einer Führung (GenussCard-Partner!) durch Haus und Hof überzeugen, denn die Familie Frühwirth lebt mitten in dem von ihr geschaffenen Bienengarten. Blickfang des Areals ist ein riesiger Bienenkorb, der Verkaufsfläche für die Produkte bietet. Am Fuße desselben reiht sich eine überdimensional große Wabe an die andere. Gleich dem Korb wurden sie ebenso zweckentfremdet: als Blumenbeete nämlich, in denen der Jahreszeit entsprechend der Bienen Lieblingspflanzen gedeihen. „So sieht man, was die Tiere lieben bzw. welche Pflanzen ihnen gut tun“, sagt der Imker, der die 46 Beete auf den 2.500 m² selbst angelegt hat. Ein Ende des Ausbaus ist nicht in Sicht. Auf der anderen Seite des Hauses pflanzt Frühwirt munter weiter. Die Dahlien haben‘s ihm angetan: 120 Vertreterinnen bekommen hier ihre Wabe ab.

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© Bienengarten Frühwirth

Seit drei Generationen betreuen die Frühwirths Bienen, wobei Manfred der Erste ist, der die Imkerei zum Beruf gemacht hat. 1988 beschloss der Tischler, den Hobel nur noch anzusetzen, wenn seine Tiere ein neues Heim brauchen. Und das kam bzw. kommt nicht selten vor, denn die Völker wachsen. 300 sind es heute, 25 davon logieren im Bienengarten (zu Zuchtzwecken), der Rest findet seine Unterkünfte im Umkreis von 110 Kilometern – vom südlichen Burgenland bis ins Wechselgebiet –, und sammelt fleißig Pollen und Honig. Aus Letzterem werden schließlich neun Sorten in Gläser abgefüllt. „In der Hochsaison kann eine Königin über bis zu 60.000 Bienen herrschen“, erklärt der Imker während er in den wilden Bienenschwarm greift, der sich im großen Bienenhaus angesiedelt hat. Er nimmt eine Drohne heraus und setzt sie auf die Hand eines Besuchers. „Jeder bekommt bei uns eine Biene in die Hand“, kommentiert er die Aktion, Nachsatz: „Keine Sorge, männliche Bienen stechen nicht.“

 

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© Bienengarten Frühwirth

Alles summt, alles fliegt, nicht nur die Wilden zu ihren imposanten, tropfenförmigen Waben, sondern auch die, deren Häuser in der Holzhütte stehen. Ein betörender Anblick, der das Klischee von der fleißigen Biene unterstreicht. Die Ruhe des Imkers nimmt die Scheu vor den zig Tausend Bienen, die die Luft zum Schwingen bringen. In Frühwirths Verhalten liegt auch seine wichtigste Botschaft: „Ruhig bleiben. Hysterie macht auch die Bienen hysterisch!“ Und wenn dennoch eine zusticht? „Kühlen, kühlen, kühlen!“, weiß er aus eigener Erfahrung.

www.bienengarten.at

 

 

© Text: Echt*Zeit Magazin des Thermenland Steiermark